Ein persönlicher Rückblick auf das Weihnachtsspiel
Zwischen den Herbst- und Weihnachtsferien befindet sich die FAS im Ausnahmezustand: Das Weihnachtsspiel wird von der gesamten Schule gemeinsam auf die Beine gestellt. Wir freuen uns, dass Ela uns an ihren ganz persönlichen Eindrücken zum vergangenen Weihnachtsspiel teilhaben lässt!
Was mich jedes Jahr von Neuem beeindruckt: Das Weihnachtsspiel wird nicht für die Kinder geschrieben oder ihnen vorgesetzt. Es wird von den FAS-Kindern gemeinsam getragen, von der ersten bis zur zehnten Jahrgangsstufe. Jede Altersstufe, jede Persönlichkeit, jede Stärke hatte ihren Platz.
Man kann spüren, wie viel Zeit, Energie und Herzblut in diesem Projekt steckt. Wie viele Fäden zusammenlaufen müssen, damit so etwas überhaupt entstehen kann. Mein Dank gilt von Herzen allen Begleiterinnen und Begleitern, die dieses Projekt möglich gemacht haben. Und ganz besonders Silke, die Jahr für Jahr dieses große Ganze trägt.
In diesem Jahr gab es den vertrauten, alten Weihnachtsmann, der als Sinnbild für gewachsene Rituale und feste Vorstellungen steht. Durch die Cola, die er trinkt, gerät er ins Wanken und muss Platz machen für etwas Neues, Lautes, Junges. Einen Weihnachtsmann, der rappt, cool sein will, sich anders ausdrückt. Es fühlte sich an wie ein spielerischer Dialog zwischen den Generationen. Alte Bilder wurden spielerisch auf den Prüfstand gestellt, Neues durfte frech, laut und jugendlich hereinbrechen. Die Sprache der Kinder, ihre Themen, ihre Welt – all das hatte Platz. Und genau dadurch entstand etwas sehr Echtes. Etwas, das nicht belehrt, sondern verbindet.
Am Ende kehrte der alte Weihnachtsmann zurück. Es fühlte sich so an, als müsste man etwas Neues ausprobieren, um dann zu erkennen, was trägt und was bleiben darf. Welch eine kraftvolle Botschaft! Vielleicht bedeutet Wachstum nicht, alles Alte direkt über Bord zu werfen, sondern mit neuen Erfahrungen wieder zu den Wurzeln zurückzukehren – verändert, reflektiert, aber vor allem aus freiem Willen. Ich habe gemerkt, wie es in mir anfing zu arbeiten. Wie viel Interpretationspotenzial sich in einem von Kindern geschriebenen Stück befindet. Bemerkenswert!
Was mich als Zuschauerin besonders bewegt hat, waren die leisen, fast unsichtbaren Momente am Rande der Bühne. Eine Garderobe, wie in einem richtigen Theaterhaus mit Namensschildern. Mit handgenähten Kostümen, die vor Kreativität nur so strotzen. Die Großen, die in der Maske alle Schauspieler:innen durch fein abgestimmte Farbpuder und Lippenstifte in ihre Rollen verwandelt haben. Die aufwändige Bühnentechnik von FAS-Schüler:innen und Ehemaligen. Und nicht zuletzt die fleißigen Bühnenbild-Umbauer:innen zwischen den Akten, die mit vollem Tatendrang für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben.
Ich erinnere mich an die wachsamen Blicke derjenigen Schüler:innen, die darauf geachtet haben, dass die Kleinen ihren Einsatz nicht verpassen. Ich konnte sehen, wie Verantwortung übernommen wurde. Wie Kinder anderen Kindern Halt geben, damit sie in ihre Rolle hineinwachsen können. Gerade weil viele der Älteren selbst mitten in der Pubertät stecken, ist dieses Sich-Einlassen auf die Jüngeren alles andere als selbstverständlich. Und doch war genau das spürbar: Rücksichtnahme, Geduld und ein achtsames Miteinander über Altersgrenzen hinweg. Kinder von der ersten bis zur zehnten Stufe, die gemeinsam arbeiten – mit Respekt vor dem jeweiligen Entwicklungsstand, mit Verständnis für die Bedürfnisse des anderen und getragen von einem Umfeld, das genau diese Haltung ermöglicht.
Besonders berührt hat mich, als der Saal dunkel wurde und „Lichterkinder“ mit ihren Kerzen durch den dunklen Raum gingen. In diesem Augenblick habe ich die Magie ihrer wertvollen Gemeinschaft gespürt. Achtsamkeit. Verantwortung füreinander. Ich habe Kinder gesehen, die über sich hinausgewachsen sind. Die sich zum ersten Mal singend oder spielend auf eine Bühne getraut haben. Kinder, die sichtbar stolz waren
Und genau das ist es, was für mich den Kern dieser Schule ausmacht: Dass Kinder nicht in Rollen gepresst werden, sondern sich ausprobieren dürfen. Dass sie ihre Stärken einbringen können – sei es im Tanz, im Schauspiel, im Gestalten, im Organisieren. Und dass Selbstwirksamkeit hier keine Floskel ist, sondern tatsächlich gelebt wird.
Am Ende dieses Theaterstücks bin ich mit einem tiefen Gefühl von Dankbarkeit nach Hause gegangen. Dankbar dafür, dass unser Kind an einer Schule aufwachsen darf, die altersübergreifend denkt, Gemeinschaft lebt und Kinder ernst nimmt – in dem, was sie bewegt, und in dem, was sie können. Dass Kinder diese Erfahrung immer wieder machen dürfen, daran wachsen, reifen und stolz auf sich sein können, ist alles andere als selbstverständlich.