Tag der offenen Tür – ein Blick durch die Linse

Es gibt diese Tage, an denen man einen Ort, den man eigentlich schon so gut kennt, plötzlich aus einer anderen Perspektive sieht. Unser Tag der offenen Tür 2026 war für mich genau so ein Tag, den ich durch meine Kameralinse begleiten durfte.

Schon beim Betreten des Geländes ist da diese besondere Atmosphäre: Besucher stehen vor den Wegweisern zu Schule und Kindergarten, geschmückt mit bunten Lichtergirlanden und eingebettet in das herbstliche Laub unseres kleinen Refugiums. Im diesigen Regenwetter steigen die Dampfschwaden frisch gebackener Waffeln empor. Wer zum Zirkus will, muss sich beeilen!

Doch erst gilt es, sich am kleinen Popcornhäuschen mit seiner gelben Funzel vorbeizudrängen, vor dem sich eine lange Schlange kleiner Schleckermäuler tummelt. Niemand will schließlich den Circus FASzinelli verpassen – für die FASler ein jährliches Highlight, für unsere Besucher einer von vielen Gründen, über diese Schule zu staunen.

Während draußen das bunte Treiben beginnt, herrscht drinnen in der Garderobe bereits vorfreudiges Gewusel. Haare werden liebevoll zusammengesteckt, Gesichter geschminkt, Kostüme zurechtgezupft. Mittendrin unsere Erst- und Zweitklässler, die voller Stolz ihrem großen Auftritt entgegenfiebern.

Da werden zum ersten Mal Stöckelschuhe anprobiert und mit strahlenden Augen die eigene Verwandlung bestaunt. Isabel, die auch in diesem Jahr die Fäden des Zirkus zusammenhält, ruft zum letzten Briefing.

Für viele Kinder ist der Cirkus FASzinelli weit mehr als eine Aufführung. Schon Wochen vorher werden die Darbietungen, die aus den eigenen Ideen der Kinder entstehen, geprobt und weiterentwickelt. Jede und jeder darf die eigenen Interessen und Fähigkeiten einbringen. Und am Ende entsteht etwas, das so vielfältig ist wie die Kinder selbst. Auch dieses Jahr wird getanzt, geturnt, gestaunt und vor allem viel gelacht.

Zwischen Kung-Fu, beeindruckender Akrobatik, mitreißenden Tanzeinlagen und Trommeldarbietungen entdecke ich durch meine Kamera jene kleinen Momente, die fast unbemerkt bleiben und doch so viel erzählen.

Während die Jugendlichen ihre Tanzchoreografie präsentieren, beobachte ich, wie die jüngsten FASlerinnen am Bühnenrand begeistert mittanzen. Eben noch selbst voller Aufregung auf der Bühne gestanden, kennen sie nun jeden Move und machen voller Freude mit. Offenbar haben sie den Großen bei den Proben ganz genau zugesehen.

Ich muss schmunzeln. Denn in diesem Augenblick wird für mich etwas sichtbar, das unsere Schule so besonders macht: Kinder lernen, indem sie beobachten, nachahmen und sich begeistern lassen. Und wie schön ist der Gedanke, dass ihre Vorbilder hier nicht unerreichbar weit entfernt sind? Dass die Erstklässler heute noch staunend zusehen und vielleicht in ein paar Jahren selbst dort stehen, während die nächste Generation ihre Tänze nachahmt?

Diese Verbundenheit endet offenbar nicht mit dem Schulabschluss. Bei der Kung-Fu-Darbietung wirken auch ehemalige Schüler mit, die teilweise schon seit Jahren nicht mehr an der FAS sind. Sie besuchen weiterhin den Unterricht, kehren für Auftritte zurück und bleiben Teil dieser Gemeinschaft.

Was sagt das über einen Lernort aus, wenn junge Menschen freiwillig und mit Freude immer wieder zurückkommen? Vielleicht, dass Schule mehr sein kann als ein Ort, an dem man einige Jahre verbringt. Vielleicht kann sie auch ein Stück Zuhause werden.

Doch auch abseits der Bühne gibt es viel zu entdecken:

In der Kreativwerkstatt entstehen Werke aus Ton. Im Rosa Raum werden Kräuter gemörsert und zu duftenden Salzen verarbeitet. Auch hier darf ich mit meiner Kamera „Mäuschen spielen“:

Während die Erwachsenen sich offenbar gerne an die ausliegenden Rezepte halten und sorgfältig abwiegen, gehen die Kinder die Sache wesentlich freier an. Da wird geschnuppert, nach eigenem Gusto gemischt und kurzerhand sogar ein Popcornsalz erfunden. Wer sagt schließlich, dass Salz nicht auch süßlich schmecken darf? – Vielleicht ist es genau diese Unbefangenheit, die uns Erwachsenen im Alltag manchmal verloren geht. Während wir nach der richtigen Anleitung suchen, entdecken Kinder Möglichkeiten, auf die wir selbst gar nicht gekommen wären.

Der Tag der offenen Tür bietet interessierten Familien die Gelegenheit, mit Begleiter:innen und FAS-Eltern ins Gespräch zu kommen, während ihre Kinder die Lernräume mit eigenen Augen, Ohren und Händen erkunden. Besonders schön finde ich die staunenden Gesichter unserer Gäste. Menschen, die Materialien betrachten, Fragen stellen und immer wieder innehalten. Vielleicht, weil hier vieles so anders ist als das, was wir aus unserer eigenen Schulzeit kennen.

Genau darum geht es auch in der jährlich stattfindenden gemeinsamen Informationsrunde, in der Begleiter:innen, Schulleitung und ehemalige Schüler:innen Einblicke in das pädagogische Konzept geben. Warum werden Kinder im Kindergarten nicht ständig angeleitet? Warum gibt es bewusst Raum für freies Spiel und die Möglichkeit, den eigenen Interessen zu folgen? Dahinter steht unter anderem die von Rebeca Wild geprägte Haltung, dass Kinder aus sich heraus neugierig sind und lernen wollen.

Besonders wertvoll finde ich auch die Stimmen der Ehemaligen, die von ihren Erfahrungen und ihrem weiteren Weg erzählen. Sie berichten aus einer Perspektive, die für uns Eltern noch in der Zukunft liegt: Was bleibt von dieser Schulzeit? Was nimmt man mit, wenn man diesen vertrauten Raum irgendwann verlässt?

Jetzt schließt sich für mich ein Kreis: Vom Kindergartenkind, das neugierig seine Welt entdeckt, über die Erstklässler, die bewundernd zu den Großen aufschauen, bis zu den Jugendlichen, die zunehmend Verantwortung übernehmen. Und schließlich zu den Ehemaligen, die gerne zurückkehren. Wie wertvoll ist es, wenn Kinder über so viele Jahre gemeinsam wachsen und Beziehungen entstehen dürfen, die vielleicht weit über die Schulzeit hinaus Bestand haben?

Ach ja – bevor ich es vergesse: Da war natürlich noch unser Kamel! Dieses wunderbare, vor Jahren von Kindern selbst erschaffene Wesen aus Stoff und Pappmaché erwacht auch dieses Jahr wieder zum Leben. Mit Kindern unter dem Kostüm, zwei Höckern und einem Kameltreiber zieht es über das Gelände und lässt Kinderaugen leuchten. Wer hätte gedacht, dass man mitten auf unserem Schulgelände Kamelreiten kann? Solche Momente bringen mich zum Lächeln. Weil Kinder hier ihre Fantasie Wirklichkeit werden lassen dürfen. Und weil aus einer Idee, gepaart mit Tatendrang, etwas entstehen kann, das noch Jahre später die Gemeinschaft bereichert.

Und hinter all dem stehen Menschen, die genau das möglich machen.

An dieser Stelle möchte ich besonders unseren Begleiter:innen danken. Menschen, die bereits unter der Woche so viel Zeit, Geduld und Herzblut in die Begleitung unserer Kinder investieren. Die ihnen zuhören, sie in ihrer Entwicklung unterstützen und ihnen Raum zum Wachsen geben. Und die sich darüber hinaus auch an einem Sonntag wie diesem die Zeit und Muße nehmen, unsere Schule zu repräsentieren, Fragen zu beantworten und Einblicke in ihre pädagogische Arbeit zu geben.

Das ist alles andere als selbstverständlich und verdient unsere aufrichtige Wertschätzung.

Mein herzlicher Dank gilt ebenso allen Kindern und Jugendlichen, den Eltern und all den helfenden Händen, die Kuchen gebacken, Waffeln gemacht, aufgebaut, organisiert und manchmal ganz still im Hintergrund dafür gesorgt haben, dass aus einem verregneten Tag der offenen Tür ein buntes Fest voller Begegnungen wurde.

Vielleicht war das Schönste an diesem Tag für gar nicht mal, was offensichtlich war. Sondern das, was für mich zwischen den Menschen durch meinen „Sucher“ sichtbar wurde.

Michaela (Ela) Umbach-Spelz